Unser Publikum darf sich bei den Konzerten des Schumann Quartetts stets doppelt freuen: Zum einen auf die spieltechnische und interpretatorische Brillanz der Darbietung und zum anderen auf ein exquisites Programm. Beim Konzert am 7. Juni kommt die wundervolle Spielstätte hinzu, die alte Dorfkirche St. Wolfgang mit ihrer authentischen gotischen Ausstattung und ihrer hervorragenden Akustik.
Auf dem Programm stehen
Franz Schubert, Streichquartett Nr. 13 a-Moll D 804 „Rosamunde“
Benjamin Britten, Streichquartett Nr. 2 C-Dur op. 36.
Das Schumann Quartett München spielt seit seiner Gründung 1994 in unveränderter Besetzung mit Barbara Burgdorf, 1. Violine, Traudi Pauer, 2. Violine, Stephan Finkentey, Viola, und Oliver Göske, Cello. Alle sind sie langjährige Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters, Barbara Burgdorf als Konzertmeisterin und Stefan Finkentey als stellvertretender Solobratscher. Seither folgten Einladungen zu Konzerttourneen und Festivals in Europa, Japan und den USA. Das Ensemble widmet sich, neben dem weit gefächerten gängigen Quartett-Repertoire, selten zu hörenden Kompositionen sowie Uraufführungen und experimentellen Werken.
Eintritt: 28 €, ermäßigt für Mitglieder 23 €, für Schüler und Studierende unter 30 J. 10 €.
Karten nur an der Abendkasse.
Reservierung empfohlen unter: info@kammermusik-pasing.de.
Das Musikleben in Wien im frühen 19. Jahrhundert war stark geprägt von den großen „Wiener Klassikern“ Haydn, Mozart und Beethoven. Als Geiger und Bratscher im Orchester des Wiener Stadtkonvikts und im häuslichen Streichquartett lernte Franz Schubert deren Symphonien und Quartette kennen. Bereits als Dreizehnjähriger schrieb er 1810 sein erstes Streichquartett, neun weitere komponierte er bis 1816 für das Familienquartett, bevor eine längere Pause folgte.
Im Winter 1822/23 an Syphilis erkrankt, schrieb Schubert am 31. März 1824 an seinen Freund Leopold Kupelwieser, der damals gerade in Rom war: „Denk Dir einen Menschen, dessen Gesundheit nie mehr richtig werden will … dessen glänzendste Hoffnungen zu Nichte geworden sind, dem das Glück der Liebe u. Freundschaft nichts biethen als höchstens Schmerz, dem Begeisterung (wenigstens anregende) für das Schöne zu schwinden droht, und frage Dich, ob das nicht ein elender, unglücklicher Mensch ist? – ,Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer u. nimmermehr‘, so kann ich jetzt wohl alle Tage singen, denn jede Nacht, wenn ich schlafen geh, hoff ich nicht mehr zu erwachen, u. jeder Morgen kündet mir nur den gestrigen Gram“. Im selben Brief spricht er aber auch von einer erstaunlichen Willenskraft: „In Liedern habe ich wenig Neues gemacht, dagegen versuchte ich mich in mehreren Instrumentalsachen, denn ich componirte zwei Quartette für Violinen, Viola und Violoncello und ein Octett, und will noch ein Quartett schreiben; überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen.“
Bei den beiden bereits fertiggestellten Quartetten handelt es sich um die großen Streichquartette a-Moll D 804 „Rosamunde“ und d-Moll D 810 „Der Tod und das Mädchen“, die bei einer fast symphonischen Anlage Schuberts Stimmungssschwankungen erkennen lassen.
So wird gleich im ersten Satz das verzweifelte Moll-Thema in Dur wiederaufgegriffen, wie ein Moment des Trostes. Die einleitende Ostinato-Figur der zweiten Violine erinnert, verstärkt durch die pochenden Unterstimmen, an die Klavierstimme von „Gretchen am Spinnrade“, deren erste Zeilen „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer“ Schubert in obigem Brief zitiert.
Wie bei „Der Tod und das Mädchen“ hat sich Schubert im 2. Satz von einer eigenen früheren Komposition inspirieren lassen, der Beginn des Andante ist ein fast wörtliches Zitat aus seiner Schauspielmusik zu „Rosamunde, Fürstin von Zypern“ D 797 vom Herbst 1823.
Auch der Beginn des Menuetts entstammt einer eigenen Liedkomposition, der sehnsuchtsvollen Schiller-Vertonung „Die Götter Griechenlands“ D 677, die mit der Frage beginnt: „Schöne Welt, wo bist du?“ Die im Lied direkt folgende Antwort „Kehre wieder, holdes Blütenalter der Natur“ gibt im Quartett erst die Dur-Wendung des Trios, unterstützt von dudelsackartigen Bässen.
Durch das Umschwenken nach Moll und die von abrupten Ausbrüchen „gestörte“ überwiegend leise Dynamik wirkt auch die Dur-Fröhlichkeit des Finalsatzes gemäßigt.
Das „Rosamunde“-Quartett war dem damals absolut konkurrenzlosen Schuppanzigh-Quartett gewidmet, dessen Erstaufführung 1824 begeistert aufgenommen wurde. Es ist auch das einzige Quartett, das zu Lebzeiten Schuberts, der 1827 mit nur 31 Jahren starb, gedruckt wurde.
Benjamin Britten, 1913 in Lowestoft in Suffolk geboren, komponierte bereits seit seinem 9. Lebensjahr, unter anderem Werke für Streichinstrumente, die er den Talenten in seiner Familie – sein Bruder Robert spielte Violine – anpasste. 1927 kam er zum Kompositions- und Viola-Unterricht zu Frank Bridge, der nicht nur sein Lehrer, sondern auch ein lebenslanger Freund werden sollte. Dieser eröffnete ihm die Musik der zeitgenössischen Meister des europäischen Kontinents, u.a. die von Alban Berg. Bei seinem späteren Lehrer John Ireland am Royal College of Music in London scheint er nach eigener Aussage „nicht gerade viel gelernt zu haben.“
Wie die Oper „Peter Grimes“, mit der die Sadler’s Wells Opera Company ihr Theater nach dem Zweiten Weltkrieg am 7. Juni 1945 wiedereröffnete, und Brittens bekanntestes Orchesterwerk „The Young Person’s Guide to the Orchestra“, mit dem Untertitel „Variations and Fugue on a Theme ofPurcell“, entstand auch sein 2. Streichquartett im Jahr 1945, drei Jahre nach der Rückkehr aus den USA, wohin der erklärte Pazifist 1939 ausgewandert war. Im Juli war Britten gemeinsam mit Yehudi Menuhin auf einer Tournee durch die britische Besatzungszone, die auch Konzerte vor den Überlebenden deutscher Konzentrationslager, wie etwa Bergen-Belsen, einschloss. Erst kurz vor seinem Tod teilte er dem Sänger und sehr guten Freund Peter Pears mit, dass eigentlich alles, was er danach geschrieben hat, davon geprägt sei. Das Streichquartett Nr. 2 in C op. 36 wurde am 21. November 1945, dem 250. Todestag von Henry Purcell, der für Britten besonders wichtig war, durch das Zorian Quartett in der Wigmore Hall uraufgeführt.
Gleich der Beginn des ersten Satzes erinnert an Purcells „Fantasia Upon One Note“. Über einem Orgelpunkt der Viola, der später in Violoncello und Viola auftrittt, spielen die anderen Stimmen eine Melodie in Oktaven. Dieses Werk war ein weiterer Programmpunkt am 21. November 1945 und findet sich auch bei der ersten Schallplattenaufnahme von op. 36 wieder, bei der Britten selbst die Viola spielte. Dieser eher langsame Satz stellt drei durch das Intervall einer aufsteigenden Dezime motivisch miteinander verbundene kontrastierende Themen vor, die dann in der kurzen Durchführung verarbeitet werden. Die konzentrierte Reprise bringt dann alle drei Themen gleichzeitig. Das anschließende energische Scherzo ist eine schnelle Art Tarantella, bei der alle Streicher con sordino spielen.
Den Schlusssatz betitelt Britten mit „Chacony“, diese Satzbezeichnung findet sich auch öfter bei Henry Purcell. Eine Chaconne, manchmal auch Passacaglia genannt, ist ein Variationssatz über einem ostinaten Bassmodell. Nach einem unisono gespielten Thema mit der typischen Betonung auf die Zählzeit 2 des Dreiertaktes folgen zunächst sechs harmonische Variationen, die von einer Kadenz des Violoncellos abgelöst werden. Weiteren sechs eher rhythmisch geprägten Variationen und einer Kadenz der Viola folgen sechs kontrapunktische Variationen, und nach der Kadenz der Violine 1 beschließen die letzten drei Variationen diesen Satz und somit das gesamte Streichquartett.
Musiker:
Das aus Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters bestehende Schumann Quartett spielt seit seinem Gründungsjahr 1994 in unveränderter Besetzung. Mit seiner Interpretation von Béla Bartóks frühem Klavierquintett und Arnold Schönbergs 2. Streichquartett mit Sopran erregte es schon damals großes Aufsehen und folgte Einladungen zu Konzerttourneen und Festivals in Europa, Japan und den USA. Die enge Zusammenarbeit mit Sängern und Komponisten ermöglicht es dem Ensemble, neben dem weit gefächerten gängigen Quartett Repertoire, selten zu hörende Werke sowie Uraufführungen und experimentelle Werke zur Aufführung zu bringen, die über die reine Tonsprache hinaus, Video- und Sprachkunst vereinen.
Barbara Burgdorf
ist Konzertmeisterin des Bayerischen Staatsorchesters und studierte bei Ulf Hoelscher, Dorothy DeLay und Rainer Kußmaul. Über die Leidenschaft für die Kammermusik hinaus, die sie in Studien bei Streichquartetten wie dem Melos Quartett, Julliard Quartett, Cleveland Quartett und Guarneri Quartett vertiefen konnte, wurde sie als Solistin mit zahlreichen Preisen, wie z.B. beim Internationalen Violinwettbewerb Premio Rodolfo Lipizer (Italien) und für Barockgeigenspiel mit dem Festspielpreis der Münchner Opernfestspiele 1997 und 2007 ausgezeichnet.
Traudi Pauer
studierte nach dem Abitur an der Münchner Musikhochschule Schulmusik und Violine. Nach dem Staatsexamen und künstlerischen Diplom war sie Mitglied der Deutschen Kammerphilharmonie, der deutschen Kammerakademie und des Münchner Bachkollegiums. Nach einem einjährigen Gastvertrag bei den Münchner Philharmonikern wurde sie 1996 Mitglied des Bayerischen Staatsorchesters.
Stephan Finkentey
ist aus der Freiburger Violaklasse von Ulrich Koch hervorgegangen. Seit 1988 hat er die Stelle eines Stellvertretenden Solobratschers im Bayerischen Staatsorchester inne. Während seines Studiums erhielt er den Förderpreis zum Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim/Ruhr.1984 erspielte er sich in Siena/ Italien den Premio Guido Chigi Saracini.
Oliver Göske
studierte bei Klaus Storck in Hannover und Wolfgang Böttcher in Berlin. Er war Mitglied der Deutschen Kammerphilharmonie, ist Cellist des Schubert-Kammerensembles und seit 1989 beim Bayerischen Staatsorchester engagiert.
